Preisträger Realisierungswettbewerb

1. Preis – Ingenieurbüro Grassl GmbH, München

Verfasser:

Ingenieurbüro Grassl GmbH, München
Herr Dr. sc. techn. Hans Grassl
Herr Dipl.-Ing. Markus Karpa

 

Firmhofer + Günther Architekten mbB, München
Herr Dipl.-Ing. Marcus Firmhofer Architekt

 

Mitarbeiter*innen:

Ingenieurbüro Grassl GmbH:
M.Sc. Dominic Reyer
M.Sc. Angelika Feil
M.Sc. Wei Lin
Okhan Kurtar
M.Sc. Keerthana Bopanna
M.Sc. Julian Seisenberger

 

Firmhofer + Günther Architekten mbB:
Serhii Torbinov, MA Innenarchitektur, Mag. Design
Svenja Rohde, MA Architektin
Annika Haase, MA Architektin

 

Landschaftsarchitekt*innen:

Toponauten Landschaftsarchitektur Gesellschaft mbB
Felix Metzler
Theresa Finkel

Beurteilung aus dem Preisgericht – 1003

Der Entwurf bekennt sich vollends zum Gedanken einer schwebenden, reduziert gestalteten Brücke über dem Regnitzgrund in Erlangen. Durch eine sehr gelungene Kombination der Gestaltungselemente in Längsansicht und Querschnitt erreicht das schlanke Bauwerk eine Harmonie, die für Selbstverständlichkeit und Klarheit im sensiblen Umfeld sorgt. Der Landschaftsraum wird dabei nur minimal belastet. Anzahl und Durchmesser der Stützen sind minimiert und sorgen in Verbindung mit der gewählten Querschnittshöhe für eine ausgewogene Ansicht. Mit einer Wellenbewegung des Brückenüberbaus im Bereich der Regnitzquerung wird in überzeugender Art und Weise die dort erforderliche größere Stützweiten kongenial umgesetzt. So vermittelt sich die statische Klarheit des Entwurfes selbst den Betrachtern ohne konstruktive Vorkenntnisse.

 

Die an die Brücke gestellten funktionalen Anforderungen werden in allen Bereichen erfüllt. Insbesondere wird für die Fußgänger und Fahrradfahrer eine sinnfällige und komfortable Querung des Regnitzgrundes im Schutze der Brücke erreicht. Die geplanten Verweilpunkte werden von den Fußgängern und Radfahrern mit Sicherheit genutzt. Aufgrund des innovativen, in die Unterseite des Brückenüberbau integrierten Beleuchtungskonzeptes, gilt dies auch für eine Querung in der Nacht. Die Querschnittshöhe der Brücke konnte durch eine schlüssige technische Detailarbeit auf ein Minimum reduziert werden.

 

Durch einen hohen Vorfertigungsgrad der einzelnen Brückenteile können eine gute Montierbarkeit, ein schneller Bauablauf und eine optimierte kurze Bauzeit gewährleistet werden. Der hohe Vorfertigungsgrad widerspiegelt sich auch in der Wirtschaftlichkeit der Brücke. Die Wahl eines integralen Brückenbauwerks, der Verzicht auf wartungsintensive Fugen, Lager und Übergangskonstruktionen, minimiert den Aufwand für die Brückeninspektionen. Offen bleibt die Frage der genannten hohen Flächeninanspruchnahme während der Bauzeit. Auf die Reduktion dieser Fläche sollte im Verlauf der weiteren Planung besonderes Augenmerk gelegt werden.

 

Mit dem unbehandelten, wetterfesten Stahl für die Längsträger des Brückenüberbaus kommt ein nachhaltiger Baustoff zum Einsatz. Die rostbraune Patina wirkt dabei ästhetisch und wirkt gerade in der reduzierten Längsansicht als hervorstechendes, architektonisches Merkmal. Der wetterfeste Stahl benötigt keinen Korrosionsschutz, was sich in der Wirtschaftlichkeit der Konstruktion niederschlägt. Die Erhöhung der Überzüge zur Erzielung größerer Spannweiten an den Flussquerungen liegen gut und verträglich dort, wo sie durch den Baumbestand eingebunden werden. Der Anschluss an den Tunnel unter der A 73 mit einem verdichteten Baumbestand ist gut gelöst. Höhe, Proportionalität und Materialität sind begründet und stimmig.

 

Im Bereich der Anbindung an die Unterführung der Autobahn A 73 werden durch die Ausbildung der Dammkonstruktion und das Angebot einer eigenen Brücke für Fußgänger und Radfahrer die Anforderungen an die Funktionen in Hinblick auf Hochwasserschutz und Funktionalität sehr gut gelöst.

 

Mit dem Brückenentwurf gelingt es den Entwurfsverfassern, ein anspruchsvolles Ingenieurbauwerk mit Anmut und zeichenhafter Gestalt in einer sensiblen Landschaft zu verwirklichen. Es wird eine Brücke konzipiert, die leicht, durchgängig und verträglich wirkt, zugleich ein neues, ästhetisches Element in die Aue einfügt. Dabei ist insbesondere hervorzuheben, dass keinerlei Abstriche in der geforderten Funktion erforderlich sind und die Überfahrt durch den Regnitzgrund zu einem Erlebnis wird.